Weihnachten, das Fest des Lichtes

Mit diesem kleinen Märchen aus der Himmelsbäckerei möchte ich Ihnen im Advent eine gesegnete Weihnacht wünschen, mit behaglichen Stunden bei Kerzenschein, gemeinsam mit lieben Menschen.

Sollten Ihre Weihnachtstage gänzlich anders aussehen, weil das Schicksal Ihnen derzeit „verbrannte Kekse“ und Dunkelheit in ihr Leben schickt, so wünsche ich Ihnen mit all meinem Mitgefühl ebenfalls eine gesegnete Weihnacht. Denn gerade in der Tiefe, im Abgrund, wo scheinbar ewige Nacht herrscht, ist ein LICHT überlebenswichtig. Licht und Liebe sind Gottes Segen für die Menschen. Jeder Mensch kann dem Mitmenschen zu einem Licht werden. Ich wünsche Ihnen von Herzen viele Lichter dieser Art!

 

engel mit weihnachtstext

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Backblech-Elf

Zur Ausbildung der ganz jungen Engel gehört es, wenigstens für 1000 Erdenjahre in der Himmelsbäckerei zu arbeiten. Also nur kurz. Es gibt viele, viele junge Engel, die müssen alle mal ans Backblech ran.

Mmh! Wie es dort duftet!

Es wird geknetet, gerührt, abgewogen und geprüft, geformt, sortiert und genascht. Der Backofen wird ordentlich eingeheizt mit Sternenbriketts. Die Kekse sehen alle mehr oder weniger gleich aus, sogar unscheinbar, wenn ich es recht bedenke. Doch lassen wir uns davon nicht täuschen! Auf den Inhalt kommt es an. Und der hat es in sich. Das könnt ihr mir, dem alten Backblech-Elf, ruhig glauben, liebe Kinder. Denn die Engel backen ihre Wünsche und Ideen in die Kekse mit ein.

Es gibt viele Sorten von Keksfüllungen. Besonders beliebt sind die Füllungen Glück, Freude, Segen, auch Kindersegen, Lachen, Freiheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, vor allem aber die Liebesfüllung. „Liebeskekse“ waren die beste Erfindung seit dem Anbeginn der Himmelsbäckerei! Es heißt, der Herrgott selbst hat den ersten Keks dieser Art gebacken.

Manchmal aber klemmt die Backofentür. Wo steckt eigentlich dieser Hausmeister-Elf, wenn man ihn braucht? Dann gibt es verbrannte Kekse. Aber weil von den himmlischen Zutaten und Gaben nichts verschwendet werden darf – das ist Gesetz –werden auch diese Kekse unter den Menschen verteilt. Die verbrannten Exemplare schmecken dann nach Pech, Armut, Kummer, Unfrieden, Einsamkeit, und wenn es noch etwas länger dauert, die Ofentür zu öffnen, dann sind einige Kekse gefüllt mit Schmerz, Trauer und Tod. Diese Kekse mögen die jungen Engel gar nicht gern auf der Erde verteilen. Aber der Erzengel, der über die Ausbildung des Bäckernachwuchses wacht, schaut seinen jungen Bäckern dann mit Güte und Mitgefühl in die jungen Augen und sagt: „Auch das gehört zur Seelenspeise der Menschen. Ihr mögt es jetzt noch nicht verstehen, aber auch diese Kekse haben ihren Sinn, ihren göttlichen Auftrag.“

Seufzend legen dann die kleinen Engel die verbrannten Kekse zu den schönen Keksen in den Korb. Sie alle haben schon einmal versucht, diese Kekse verschwinden zu lassen, wegzuwerfen, gegen das Gebot Gottes, aber im Himmel gibt es keine Mülleiner und keine guten Verstecke.

Wollt Ihr Menschen nun wissen, wie das mit der Verteilung funktioniert? Kommt näher und hört!

Immer, wenn Euch unerwartet geholfen wurde, dann habt Ihr einen Keks bekommen. Immer, wenn Ihr geküsst und umarmt werdet, dann habt Ihr einen Keks bekommen. Immer, wenn das Glück Euch ins Gesicht lacht, dann ist das ein duftender Himmelskeks …

Himmelkekse essen macht Appetit auf mehr! Doch denkt daran, die Kekse sehen alle gleich aus, nur die Füllung ist verschieden und das Verbrannte bröselt ab auf dem Weg vom Himmel zur Erde.

Übrigens: Wenn Ihr einem anderen Menschen helft, ihn küsst, umarmt und Glück in sein Haus bringt, dann bekommt Ihr eine ganze Schachtel guter Kekse vom Himmel in Eure Herzens-Vorratskammer gestellt. Nie, nie wird sie leer sein!

 Im Himmel klettert immer wieder mal ein kleiner Engel auf den Schoß vom Backstuben-Erzengel und kuschelt sich an ihn an. Lange sitzen Sie so da und genießen den herrlichen Ausblick auf den blauen Planeten, der wie eine hübsche Murmel um die Sonne kreist.

Manchmal fragt ein kleiner Engel den Erzengel, warum es denn in der Backstube keinen Mülleimer für die verbrannten Kekse gibt.

Dann streicht der Erzengel dem Kleinen über seine rosablauen Haare und sagt: „Das ist Gesetz, Gottes Backzutaten dürfen nicht verschwendet werden.“

Dem Engelchen sträuben sich dann die Haare und er sieht aus wie ein kleiner, wilder Punker.

„Aber wenn ich doch die Menschen so lieb habe und ich ihnen keine verbrannten Kekse schenken will!“

Dann lächelt der Erzengel wehmütig und sagt: „Ich will dir ein Geheimnis verraten. Komm, ich flüstere es dir ins Ohr: So oft es geht, essen wir großen Engel die verbrannten Kekse. Aus Liebe zu den Menschen. Das hat Gott uns erlaubt. Und sobald du deinen ersten, verbrannten Keks gegessen hast, wirst du ein großer Engel sein. Aber wir Engel dürfen nicht alle dunklen Kekse essen, sonst können die Menschen nicht wissen, wie gut die anderen Himmelskekse schmecken und achten die Gaben nicht mehr, und vergessen möglicherweise Gott und den Himmel. Und das darf nicht geschehen. Wie sonst sollen ihre Seelen zu uns zurückfinden, wenn sie nach dem letzten Atemzug den Menschenkörper verlassen? Denn Gleiches geht zu Gleichem.“

Die meisten kleinen Engel rutschen dann vom Schoß herunter und flitzen in die Backstube, um nach einem verbrannten Keks zu suchen. Ach, das habe ich, der Backblech-Elf, schon so oft erlebt, und jedes Mal wärmt es mir mein altes Herz, wenn plötzlich ein neuer großer Engel vor uns steht, gewandet in ein Kleid aus Licht.

 

(aufgeschrieben von einer alten Dame, die einst Besuch hatte vom Backblech-Elf, der diese Geschichte an einem langen Winterabend erzählte.)