Novembergrau. Dunkelgrau bis schwarz?

Es ist November, der graue Monat beginnt und er ist vorzüglich geeignet für „graue Gedanken“. Genau genommen ist es Klarheit, die sich in mir ausbreitet und ich muss sagen, es erschreckt mich, und etwas mehr grau-trüb-blind in der Wahrnehmung  und den Gedanken wäre mir ganz recht.

Seit einiger Zeit fällt mir so viel auf.

Neulich fing das an, als mein Mann und ich im Hbf Stuttgart „tief“ auf unsere S-Bahn warteten. Es kam jemand vom Reinigungspersonal und entleerte die großen Mülleimer. Sie wissen schon, diese Dinger wo man getrennt in Papier, „Waste“, Verpackung und Glas seinen Müll einwirft. Im Idealfall säuberlich getrennt. Nun kam also dieser Mann und nahm sich einzeln die Säcke vor. Zu meinem großen Erstaunen (ich bin ja immer noch ein gutgläubiger Mensch) kippte er sie aus in sein Wägelchen hinein, einen nach dem andern. Und nicht in verschiedene Fächer, nein, alles auf einen Haufen!

Wozu wirft der wohlmeinende Bürger dann seinen Müll getrennt ein?

Oder hat die DB längst aufgegeben, weil eh alles durcheinander eingeworfen wird und die Bürger dieser Stadt nicht so wohlmeinend und umweltbewusst sind, wie sie sein sollten?

Wieder war ich eine Illusion ärmer.

 

Über Palmöl, Orang Utans und Rosinenbrot habe ich mich ja schon vor einiger Zeit ausgelassen. Und seitdem habe ich, sensibilisiert für diese umfassende Regenwaldproblematik, immer mehr entdeckt, wo überall Palmfett drinsteckt, versteckt oder offen deklariert. Man kann ja kaum noch etwas „ohne“ kaufen!

Heute Morgen sah ich eine Sendung über den Schwarzwald, über den Beginn des Tourismus dort etc. Wussten Sie, dass die erste Seilbahn dort erfunden wurde für Kurgäste, für Asthmatiker und Allergiker? Die sollten an der frischen Luft viel Schlitten fahren, waren aber zu schwach, um den Berg mit dem Schlitten hochzukommen.  Und was ist in wenigen Jahrzehnten daraus geworden? Massentourismus für Skifahrer, die die schöne Abfahrt genießen, sie sich aber nicht mit dem mühsamen Aufstieg „verdienen“.

Das Skifahren wurde erfunden, um es den Berufsständen der Postler, der Hebamme und anderen wichtigen Leuten der Dorfgemeinschaft das Vorankommen zu erleichtern, auch für die Bergbauernkinder, die im Winter so leichter zur Schule kommen konnten.

Lift und Skier, aus der Not heraus geschaffen, um den Menschen Erleichterung zu bringen. Und was ist daraus geworden? Umweltschädlicher Massentourismus.

Früher wurden Bäume mit dem Pferd aus dem Wald geholt. Schonend für Wald und Boden. Heute gibt es dafür „Vollernter“. 60 Jahre des Wachstums einer Tanne. 6 Minuten um sie effizient und profitabel zu „ernten“.

Aber das ist alles gar nichts im Vergleich zu dem, was in Fukushima geschieht. Tschernobyl ist noch lange, lange nicht ausgestanden, und schon haben wir ein neues globales Desaster. Das Wildeste ist ja, dass die Japaner neue Kernkraftwerke bauen wollen, Tepco wieder munter Gewinne macht (!), vor allem auch, weil sie bei der Bewältigung der Katastrophe sparen (!). Die Wassertanks, die das verstrahlte Wasser bergen, sind nicht die beste Qualität, wie ich hörte. Die Arbeiter sind keine Fachkräfte, sondern einfach arme Kerle, die Geld brauchen und vermutlich nicht wissen, was sie sich antun.

Und bei uns zulande geht es auch nicht so recht voran mit der Energiewende.

Darüber, dass der Betrieb eines einzigen Atomkraftwerkes, schon eine schwere Sünde gegen die Schöpfung darstellt, will ich mich jetzt gar nicht näher auslassen. Ob Gott uns das verzeihen kann? Ob unsere Nachkommen uns das werden vergeben können?

Was für mich in dieselbe Kategorie fällt, ist das „Fracking“. Haben wir Menschen der Erde noch nicht genug Gewalt angetan? Planeten sind m.E. lebende Wesen. Lebendige Wesenheiten wie wir selbst! Sie sind nicht nur der Ast am Baum, auf dem wir sitzen und sägen.

Ich habe noch mehr graue Gedanken! Gestern lernte ich, dem Fernsehen sei Dank (wer hat eigentlich gesagt, Fernsehen mache blöd?), dass sogar manche Wanderschuhe die reinste Pest sein können.  Sie enthalten Chrom, polyzyklische Kohlenwasserstoffe, kurz: PAK, giftige Kunstklebestoffe und „PFOA“. Letzteres sei sehr schädlich und nicht abbaubar. Es verbleibt also in der Natur, wenn der Schuh auf dem Müll landet. Sogar Verbrennen würde dagegen nicht helfen. Es gibt jetzt in Europa strenge Richtlinien, Grenzwerte für PFOA, aber was hilft das, wenn die Massenware zu über 80% aus Asien kommt, wo „Umweltverträglichkeit“ nur ein blöder Witz ist?

 

Und das alles ist nur die Spitze des Eisberges. Ich mag gar nicht mehr hinhören, hinlesen, hinsehen …

Ich fürchte, die Wahrheit ist: Wir sind alle auf Gedeih und Verderb verstrickt in diese finsteren Machenschaften. Eine naturverträgliche Lebensweise ist mit so vielen Menschen auf der Erde gar nicht mehr machbar. Jedenfalls nicht mit diesem hochtechnisierten Lebensstil. Eine neue Bescheidenheit muss her. Profit machen muss ersetzt werden durch Werte wie Ansehen, Ehre. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, geradezu ein inneres Bedürfnis, dass nur solche Produkte hergestellt werden, die in den natürlichen Kreislauf zurückkehren können und während ihrer Verwendung keinen Schaden anrichten. Weder beim Mitmenschen, noch in der Flora und Fauna. Ja, ich weiß, ich bin blauäugig und naiv.
Aber es darf so nicht weitergehen!

Es scheint mir aussichtslos zu sein, und dennoch pflanze ich das sprichwörtliche, luthersche Apfelbäumchen und backe mein Rosinenbrot selber und reduziere meinen Konsum, wo es nur geht. Was sollte ich auch anderes tun? 

Wir werden unschuldig schuldig. Gott vergebe uns allen.

 

Bitte entschuldigen Sie diesen deprimierenden Blogbeitrag, aber ich musste das mal loswerden.