Ich bin ein zahnloser Tiger!

Ursprünglich hatte ich geplant, in meinem Januar-Blog über meine neuen Bücher, die in Arbeit bzw. in Planung sind, ausführlich zu berichten.

Aber ich werde über etwas sehr persönliches berichten. Warum? Weil es auch gesellschaftliche Relevanz hat!

Es geht um die Schwächsten dieser Gesellschaft: die dementen Alten. Meine Mutter war am 25.12.14 im Pflegeheim gestürzt und brach sich ein Bein. Hätte nicht passieren sollen, dürfen … aber ja nun, das kann passieren, bei aller Vorsicht. Wie bei kleinen Kindern – einen Moment mal nicht hingeschaut und schon ist es passiert … Mit dem Pflegeheim waren wir immer sehr zufrieden. Was dann folgte, war schwerwiegender. Unsere Mutter wurde am selben Abend noch im örtlichen Krankenhaus operiert, mit gutem Erfolg, Wundheilung einwandfrei, trotz Diabetes und Altersschwäche.

Aber die Pflege auf Station! Obwohl meine Schwestern, die jeden Tag wechselnd Mittags zu Besuch kamen, obwohl sie 50-60 km entfernt wohnen (ich bin 600 km entfernt gewesen), immer wieder darauf hinwiesen, dass die Mutter dement und schwach sei und nicht ohne Hilfe ausreichend essen und trinken kann, kam es zur Dehydrierung! Das Pflegepersonal, bzw. Einzelne, haben nicht darauf geachtet, dass sie genügend trinkt. Die Medikamente wurden auch nicht ordentlich unter Aufsicht verabreicht.

Eines Nachmittags dann fand meine Schwester sie mehr oder weniger bewusstlos und fiebernd (!) im Bett vor. Ein Auge war „wie tot“. Ohne ihr energisches Eingreifen (nach Arzt rufen lassen, Tropf legen lassen) wäre unsere Mutter wohl schon im Krankenhaus gestorben. Der Stationsarzt sagte, als er aus seinem Weihnachts-Frei zurückkam, das Fieber wäre eine Folge der Dehydration gewesen. So kam es dann eine Woche später dazu, dass unsere Mutter im Pflegeheim an Nierenversagen starb. Wir Schwestern waren dabei als es zuende ging, sind zwei Tage und Nächte nicht von ihrer Seite gewichen.

Wir haben das Klinikum schriftlich mit Frist darum gebeten, uns die Pflegeprotokolle in Kopie zu schicken, ebenso eine schriftliche Stellungnahme. Diese Frist ist längst abgelaufen. Immerhin gab es zwei Anrufe bei der ältesten Schwester, die die gesetzliche Betreuerin war. Einmal wurde sich bedankt für die Meldung des Vorfalls, „weil die PDL sowas sonst nicht erfährt“… , das andere mal erfolgte ein Anruf, um Beileid auszusprechen, man hätte vom Ableben unserer Mutter gehört.

(P.S: Bitte lesen Sie zu letztem Abschnitt auch das Update im Blog)

Ich werde den Namen des Krankenhauses nicht nennen. Weil: wir können ja nichts beweisen! Alle wissen es, Ärzte, Pfleger, Angehörige … demente Patienten sind auf verlorenem Posten in Krankenhäusern, weil es viel zu wenig Personal auf Station gibt. Das ist bundesweit so! Seit diesem Vorfall habe ich mit mehreren Leuten darüber gesprochen und die meisten hatten ähnliche/gleiche Geschichten über ihre dementen Angehörigen zu berichten! Teils lagen diese Geschehnisse schon 6-8 Jahre zurück! Und wir waren in Kontakt mit einem Sohn eines dementen Vaters, über 90 J., der ebenso mangelhaft versorgt wurde, zeitgleich im selben Krankenhaus, andere Station!

Ich fühle mich wie ein zahnloser Tiger, mit großer Wut im Bauch. Ich hätte NIEMALS gedacht, dass alte Menschen im Krankenhaus nicht sicher sind. Die Unterlassung der Trinkkontrolle usw. ist eine Vernachlässigung Schutzbefohlener – das ist eine Straftat! (Hat mir ein Rettungssanitäter gesagt) Aber können wir das Krankenhaus verklagen? Nein, wir können ja nichts beweisen. Und den Anwalt und die Gerichtskosten bezahlen können wir auch nicht. Außerdem waren die Nieren schon vorgeschädigt. Unsere Mutter wäre sehr wahrscheinlich eh an Nierenversagen gestorben – aber eben noch nicht jetzt, nicht in diesem Monat! Es wäre noch nicht nötig gewesen … Vielleicht hätte sie noch einen letzten, schönen Frühling erleben können, hätte das Krankenhaus-Personal seine verdammte Pflicht getan.

Möglicherweise liest diese Zeilen ein POLITIKER, einer der sich berufen fühlt, Änderungen im Pflege- und Gesundheitswesen voranzutreiben!? Was muss denn noch alles passieren? In vielen Städten gibt es ,wie z.B. „Pflege am Boden“ in Hannover. Seit Jahren schreien die Pflegenden nach Hilfe – Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft: Alte, Kranke, Demente, Behinderte.

Die Pflegenden stehen ebenso auf verlorenem Posten, sind gestresst und unterbezahlt – aber davon stirbt so schnell keiner. Dennoch muss auch ihnen geholfen werden, helfen zu können!

Das geht alle an!