Herbstpoesie

29.09.2013 – Neunter Eintrag

Eines Morgens, als ich mit meinem Hund über die Wiesen und Felder ging, hatte ich ein poetisches Erlebnis. Es ist Jahre her …

Ich sah, dass unzählige der Gräser und Kräuter mit Spinnweben überzogen waren, benetzt mit Taukügelchen, wie eine Perlenkette ohne Ende, wie königliche Diademe.
Die Sonne schien mir in die Augen und brachte dieses Gräserfeld zum Funkeln, schöner als eine künstliche Weihnachtsbeleuchtung es jemals sein könnte.

Veränderte ich aber meinen Standpunkt, meinen Blickwinkel – nur eine kleine Körperdrehung – dann war die Pracht dahin, nicht mehr sichtbar. Drehte ich mich wieder zurück, so dass die verwobenen Gräser wieder in einer Linie mit der Morgensonne lagen, dann war die Pracht wieder sichtbar.

Da wurde mir bewusst: Die Schönheit und Erhabenheit des Lichtes in der Materie vergeht nicht, auch wenn wir im Moment außerhalb des perfekten Standpunktes sind. Die trockenen Gräser, bereit für Verfall und wurzeligen Winterschlaf, bekamen so eine wahre Pracht, die sie als frisches Sommergrün nicht haben können.
Und so ist es auch mit uns Menschen, mit unserem eigenen Leben.
Gottes Licht und seine Liebe ist immer da, selbst wenn wir das in dunklen, schmerzlichen Lebenstagen nicht wahrnehmen können.
Auf die Existenz des Lichtes, der Schönheit, der Sinnhaftigkeit können wir aber vertrauen!
Ich habe es selber so erlebt, damals als unser Sohn starb, und auch in der Zeit der Trauer.
Jetzt kann ich es in Worte fassen.
Dank eines schlichten Hundespaziergangs an einem sonnigen Herbstmorgen im Oktober.

Das Licht ist stärker als die Finsternis!

Ich habe Worte des Dichters Khalil Gibran in ein Bild eingewoben:

Khalil-Aus-der-Dunkelheit-brach-ein-Licht