Herbst!

16. September 2013 – Achter Eintrag

Ist es Ihnen auch so ergangen? Kaum war heuer der ersehnte Sommer da, hat er mich schier umgehauen mit seiner Heftigkeit. Für Temperaturen deutlich über 30° bin ich einfach nicht geschaffen. Für den Garten war es auch kein gutes Jahr. Beeren und Kartoffeln waren zufriedenstellend ertragreich, alles andere eine Missernte. Wir hatten nur zwei Zucchini, und die waren winzig. Ich habe sie in kleine Würfel gehackt und zur Hackfleischfüllung gegeben, die wiederum von Mangoldblättern umhüllt (hier reichte die Ernte auch nur für eine einzige Mahlzeit!) in –gekaufter- Tomatensoße schmurgelte. Zum Glück gibt es den Supermarkt um die Ecke und den Bio-Bauer im Nachbarort!

Und nun steht der Herbst vor der Tür. Mir scheint, er hat schon mit mindestens einem blätterraschelndem Fuß die Schwelle überschritten. Die neue Dunkelheit am frühen Morgen und Abend fällt mir sehr auf. Ich bin gewappnet. Auf der Anrichte steht seit Tagen eine dicke rote Kerze (ein Restbestand aus meiner Onlineshop-Zeit) mit dem Bildnis eines Kranichs. Ich werde sie Sonntagabend, 22.09., erstmalig anzünden und den offiziellen Herbstanfang feiern.

Der Kranich ist ein Vogel mit vielen Bedeutungen. Für die Griechen der Antike war er der Vogel des Glücks, ein Symbol der Wachsamkeit und Klugheit. In China hingegen steht er für ein langes Leben und Weisheit, auch in Japan. Verwenden Dichter das Bild des Kranichs, so steht er für etwas Erhabenes in der Natur. Und so werde ich bald für uns die Kranichkerze entzünden im Bewusstsein für all die guten Dinge, die der Kranich wundersam aus seinem Gefieder schüttelt.

Bald werden die Kraniche wieder ziehen! Die Zeit der Ruhe und Innerlichkeit beginnt jetzt für mich. Als Oktobergeborene bin ich für den Herbst wie geschaffen. So werde ich meine Gedanken ganz auf meine neuen Buchprojekte richten können. Das noch unveröffentlichte Elbendrama „Midirs Sohn“ soll seine Fortsetzung bekommen. Auch spukt mir eine Geschichte über Kristallseelen und ihren Hüter im Kopf herum. Und ich will einen Ausflug in ein neues Genre unternehmen: Das sogenannte „Chick-Lit“ (Hühnerbücher?? Literatur für junge, dumme Gänse?? Wer denkt sich denn einen so abschätzigen Namen für locker-lockige Frauenunterhaltungsliteratur aus? Aber mein Englisch lässt zu wünschen übrig, vielleicht übersetze ich es falsch).

So viele Ideen – die brauchen Zeit, um zu reifen. Zeit, sorgfältig niedergeschrieben zu werden.

Dafür sind Herbsttage bestens geeignet. Und weil eine Jahreszeit bei weitem nicht ausreicht, um drei Bücher zu schreiben, begrüße ich ebenfalls jetzt schon herzlich den mit Sicherheit nachfolgenden Winter!

Kranichkerze 2013