Gäste im Garten

27. Juli 2013  – Vierter Eintrag

Heute haben wir das erste Mal in diesem Jahr im Garten gegrillt. Mein Highlight, neben den frisch ausgebuddelten, in Alufolie gegrillten Kartoffeln (traumhaft!), war die Wespe.

Eine ganz junge noch. Sie kam und knabberte an dem Holzstäbchen, das ich auf dem Tisch abgelegt hatte. Es war noch etwas von der Bratwurstschnecke dran. Sie speiste in aller Seelenruhe, und so hatte ich Gelegenheit, sie in aller Ruhe zu betrachten. Ich konnte sogar ihre Augen sehen, die feinen Fühler in Aktion, und wie sie mit Eifer kleine Bröckchen ablöste. Sie nahm sie zwischen ihre Vorderbeine (Arme?) und flog davon. Und kam wieder. Landete zielsicher beim Stäbchen. Die Prozedur wiederholte sich mehrmals. Wen sie wohl damit versorgt hat?  Ich drehte ihr, in ihrer Abwesenheit, das Hölzchen um, damit sie sich auch die Wurstreste auf der anderen Seite holen konnte. Ich machte mir Gedanken wegen des Salzgehaltes, aber andererseits: das musste sie selber wissen, oder?

Ich hätte mir gar nicht die kleine Mühe machen müssen. Wespen sind viel kräftiger, als ich annahm. Sie zog und schob sich das lange Hölzchen zurecht, grad so, wie sie es brauchte. Nachdem sie restlos abgenagt hatte, was zu nagen war, nahm sie sich das Hölzchen vor, das mein Mann auf den Tisch gelegt hatte. Die sprichwörtliche Wespentaille ist wirklich extrem dünn. Man fragt sich unwillkürlich, wieso dieses Tierchen nicht in der Mitte entzweibricht.

Neben uns, in der Stockrose, tummelten sich viele Hummeln. Auch sie hungrig, eifrig. Pollen muss was Tolles sein, mindestens so wie ein Nackensteak mit Honig-Senf-Dill-Soße dazu. Rush Hour in der Straße der Blüten! Zwei Hummeln stießen zusammen, als sie dieselbe dunkelrosa Blüte ansteuerten. Ich könnte jetzt behaupten, ich hätte den Zusammenstoß gehört – aber das wäre schamlos gelogen.

Was ich aber tatsächlich hörte, war seit ein paar Minuten das Rascheln links im dichten Buchsbaum neben mir. Ich hoffe, eine niedliche Eidechse zu sehen – aber was dann schnurstracks am Zaun entlang huschte, war eine fette Maus! Sie hatte wohl keine Zeit, sich bei uns am Tisch niederzulassen. Dabei hätte ich ihr durchaus einen Krümel vom Fladenbrot gegönnt.

Jedenfalls, mein Mann und ich haben nicht alleine essen müssen. Wir hatten jede Menge fliegende Gäste. Es war nett mit ihnen!