Das Hören der Stille

Es gibt einen Sinn, den wir Menschen gleichermaßen überfordern wie vernachlässigen. Ich spreche vom Hören.

Wir sind einer wahren Geräusch-Flut ausgeliefert: Straßenlärm. Fluglärm. Radio, TV. Fabriklärm, die brodelnde Geräuschkulisse in Großraumbüros, Einkaufszentren … und überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen, „gibt es ordentlich was auf’s Ohr!“. Auch wenn man es schafft, diese Klänge mal auszublenden weil man sich auf etwas anderes konzentriert, so ist der Schall dennoch vorhanden und trifft aufs Innenohr, wird dort in Information gewandelt und dringt in unser Hirn.

In einer natürlichen Umwelt hört der Mensch nur die Geräusche durch Wind und Wetter, fließendes Wasser, fallende Steine, knirschender Schnee, singende Vögel, andere Tierlaute und die, die er selber und seine Mitmenschen verursachen.

Es gibt immer was zu Hören! Haben Sie schon einmal festgestellt, dass, wenn es nach modernen Maßstäben „nichts zu hören gibt“, also kein Zivilisationslärm, dass dann immer noch viel zu hören ist? Der Wind, der durch die Bäume schwebt und deren Blätter rascheln lässt. Und wenn selbst die Vögel verstummen, so hört man vielleicht ein Eichhörnchen, wie es rasch den Baumstamm erklimmt. Wenn die Geräusche dann noch weiter abnehmen, so hört man immer noch den eigenen Atem, vielleicht sogar das klopfende Herz. Die Welt wird dann immer kleiner, bis sie nur noch aus dem Individuum zu bestehen scheint. Wir dämpfen mit der Lausch-Meditation die Welt. Wir hören die Stille! 

Makrokosmos und Mikrokosmos – wie sehr sie sich doch ähneln! Folgen Sie mal diesem Link:

Sound in Space (NASA)

Sie werden „die Planeten hören“. Das geht auch ohne Schallwellen. Denn Wissenschaftler können elektromagnetische Wellen mittels Computer umwandeln in Töne. Jeder Himmelskörper hat seinen ganz eigenen, typischen Klang. Sein eigenes Wellenmuster. Jeder ist Teil der Sphärenmusik, das ganze Universum ist erfüllt von Klang. Die Erde klingt besonders schön, finde ich.

Auch unsere Körperzellen, sind erfüllt von „Musik“, sie schwingen und klingen, ja, sie leuchten sogar und strahlen minimal Licht ab. Wussten Sie das schon? Das ist wissenschaftlich belegt. Je gesünder ein Mensch ist, umso harmonischer ist sein „Lied“. Unser „Gesang“ erklingt in jeder Sekunde, vermischt sich mit dem Lied der Planeten und der Galaxien.

Ich frage mich manchmal, was Gott hört.

 

November 2012 034